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Hierarchie gesundheitsrelevanter Werte

Wenn wir vom Anspruch auf eine gesundheitsorientierte Lebensführung bzw. von dem Präventionsgedanken ausgehen, ist es sicherlich sinnvoll zu fragen, welche Wichtigkeit die einzelnen gesundheitsrelevanten Faktoren haben und welche Prioritäten zu setzen sind - immer im Hinblick auf "Leben", "Überleben" und "Weitergabe des Lebens".
Wir gehen davon aus, daß ein zuverlässiger Realitätssinn, der uns sowohl über die innere, als auch die äußere Realität wahrheitsgetreu, d.h. so wie diese Realität ist, informiert, unverzichtbare Voraussetzung ist. Es ist ein Evolutionsprinzip, daß jedes Lebewesen den Ausschnitt der Realität in sich abbildet, für den es selektioniert ist.

Dieser Realitätssinn soll sowohl unsere innere, subjektive Realität, als auch unsere äußere, objektive Realität gleichzeitig erkennen und anerkennen können. Neben dieser Anerkennung kommt unserem Realitätssinn die Aufgabe zu, zwischen subjektiver und objektiver Erkenntnis zu vergleichen, zu vermitteln und zu ordnen.
In unseren alltäglichen, gewohnten Lebensabläufen erscheint diese Funktion unproblematisch. Wenn wir beispielsweise aufgrund des vorabendlichen Wetterberichts morgens mit der Vorstellung wach werden, daß die Sonne scheint und subjektiv die Vorstellung von einem strahlenden Tag in uns haben, können wir diese subjektive innere Realität angesichts einer regenverhangenen äußeren, objektiven Wirklichkeit aufgeben und diese trübe Realität anerkennen.

Deutlich schwieriger wird die Realitätsanerkennung dann, wenn etwas berührt wird, das für mich sehr wertvoll ist. Wenn ich beispielsweise in jemanden verliebt bin - die subjektive Realität geht von der Annahme einer glücklichen Beziehung aus - ist es mir unter Umständen unmöglich, die gegensätzliche objektive Realität - die andere Person liebt jemand anderen - anzunehmen. Ich verwende dann unter Umständen sehr viel Kraft darauf, entweder die objektive Realität zu verleugnen oder aber meine liebevollen Gefühle zu unterdrücken oder mit allen möglichen fragwürdigen Erklärungen zu versuchen, die beiden widersprüchlichen Realitäten nebeneinander bestehen zu lassen.

Diese Abwehr- oder Verleugnungshaltung ist ständig von der Entdeckung der "ganzen Wahrheit" bedroht. Diese Bedrohung kann sich in einem mehr oder weniger diffusen Angstgefühl ausdrücken. Die Angst ist dann auch natürlicherweise mit der entsprechenden psycho-vegetativen Stressreaktion verbunden. Sie fordert also sowohl psychischen als auch physischen (Herz-, Kreislauf, Muskelspannung) Kraftaufwand.

An diesem Beispiel läßt sich noch ein weiterer Zusammenhang deutlich machen. Für einen neutralen Beobachter ist es offensichtlich, daß es für den unglücklich Verliebten gesünder wäre, die schmerzliche Tatsache seiner Enttäuschung anzuerkennen und auf dem Boden der - objektiven - Realität wieder Fuß zu fassen. Dennoch kann für den sich selbst täuschenden Verliebten die Fortsetzung seiner Verleugnung gesünder sein und seiner subjektiven Realität im Interesse seiner Gesundheit - hier um weiter leben zu können - Rechnung zu tragen.

Wenn wir uns vorstellen, daß der unglücklich Verliebte unter dem Eindruck der "schrecklichen Realität" verzweifelt resigniert und sich unter Umständen das Leben nehmen könnte, trägt in diesem Fall die Verleugnung der objektiven Realität dem Primat der Gesundheit, das Überleben zu sichern, mehr Rechnung. Höchstes Ziel des Individuums ist es zunächst einmal, die eigene Gesundheit d. h. das eigene Überleben abzusichern.

Vor diesem Hintergrund muß also jeder einzelne für sich immer wieder neu abwägen, in wieweit er eine Kongruenz der subjektiven und objektiven Wahrheit zulassen kann bzw. inwieweit er eine Diskrepanz und den damit verbundenen "un-heiligen" Unfrieden zweier konkurrierender Realitäten aushalten muß. Die Belastungstoleranz bzw. -begrenztheit ist eben auch eine Realität, die im Interesse der Gesundheit mit einbezogen werden muß.

Es soll in diesem Zusammenhang ausdrücklich betont werden, daß ebenfalls im Interesse der Gesundheit dieser Schutz durch Abwehr bzw. Verleugnung nur vorübergehend bis zum Erreichen der ausreichenden Belastbarkeit die "ganze Wahrheit zu ertragen", aufrecht erhalten werden sollte.

Die Verleugnung eines Teils der Realität bzw. der "ganzen Wahrheit" darf nur aufschiebenden Charakter haben; dies für die Lösung zu halten, ist unrealistisch und bedeutet gleichzeitig Fortschreibung eines "stressigen" uneinigen und unheiligen Zustands. Es soll an dieser Stelle nochmals mit Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß es sich hier nicht nur um die abgehobene Darstellung eines psychischen bzw. seelisch-geistigen Zusammenhangs geht, sondern gleichzeitig und in einer der seelischen Dynamik entsprechenden Intensität um physische Auswirkungen und korrespondierende funktionelle Abläufe.

Die psycho-vegetative Regulationen mit ihren neuronalen, humoralen und immunologischen Reaktionen sind immer mitbetroffen. Es geht in diesem Zusammenhang also auch immer um körperliche Folgeschäden - Stresskrankheiten - wie Gefäß-, Stoffwechsel- und Bewegungsapparatschäden.

Grundsätzlich läßt sich sagen, daß unabhängig von den individuellen Bedingungen - ob nun mehr der subjektiven oder der objektiven Realität Rechnung getragen werden muß - eine Funktion der Näherung an die "ganze Wahrheit" ist. Je größer der Summenbetrag aus objektiver und subjektiver Wahrheit ist, desto gesünder bin ich. Der Ehrliche ist der Kluge, weil er realistischer ist als der Unehrliche.

Die Arbeiten von Axelrod (Literatur: Die Evolution der Kooperation) bestätigen die Überlegenheit der "ehrlichen Realitätsanerkennung" gegenüber den "ungerechten Täuschern". Wenn wir diese Bedeutung des Realitätssinns zugunsten einer möglichst umfassenden Realitätserkenntniss hin zur "ganzen Wahrheit" anerkennen, ergeben sich daraus folgende Notwendigkeiten: Funktionstüchtigkeit unserer Wahrnehmungs- und Informationsaustauschfähigkeiten, Selbstvertrauen (d. h. auch seinen Sinnen und Empfindungen zu trauen) sowie eine "offene Grundhaltung".

Unter "offener Grundhaltung" verstehen wir die grundsätzliche Bereitschaft und Absicht, alles das, was ist und wirkt, wahrzunehmen, anzuerkennen und anzunehmen. An dieser Stelle tritt nun eine weitere Qualität mit hervorragender Gesundheitsrelevanz in den Vordergrund: Die Stimmung.

Grundsätzlich können wir unsere Stimmung in positiv bzw. angenehmes Gefühl und negativ bzw. unangenehmes Gefühl oder Unwohlsein unterscheiden. Durch das Gegensatzpaar angenehm und unangenehm wird bereits deutlich, daß wir in der positiven Stimmung mehr in der Lage sind das was ist anzunehmen als in der unangenehmen. Eine negative Stimmung wird beispielsweise durch Sorge, Angst, Scham, Mißgunst, Feindseligkeit, Haß, Eifersucht, und andere mehr erzeugt.

Alle diese Gefühle, die selbstverständlich auch ihre Berechtigung haben, bestimmen in uns eine ablehnende Haltung. Also auch gegen eine Teil der Realität. Sie bestimmen uns zu der Einstellung: "Ich will nicht haben, was ist." Damit sind wir wieder bei einem un-einigen Zustand.

Ganz anders erleben wir uns - und sind es auch - in einer positiven bzw. angenehmen Stimmung. In der Annahme dessen, was ist, sind wir uns in innerer und äußerer Realitätserkenntnis einig. Gefühle, die diese angenehme Stimmung unterhalten sind Interesse, Neugier, Sympathie, Freude, Zufriedenheit, Dankbarkeit, Zuneigung und besonders Liebe im weitesten Sinne.

Auch hier können wir uns auf Axelrod berufen, der die Überlegenheit der primär positiven Einstellung bestätigt. Auf der biologischen und damit körperlich gesundheitsrelevanten Ebene hat dies in einer stressärmeren und damit gesunderen psycho-vegetativen Regulation seine Entsprechung.

Zusammenfassend läßt sich also folgende Hierarchie darstellen. Am wichtigsten ist der Realitätssinn für die subjektive und objektive Realität. Je größer die Kongruenz d. h. je ganzer die Wahrheit ist, desto gesunder bin ich. Im weiteren ist der Zusammenhang von Relitäts-an-erkennung, Stimmung und Einstellung bzw. Grundhaltung zu untersuchen.

Auf die Polarität von angenehm bzw. annehmend mit Gefühlen wie Neugierde, Interesse, Freundlichkeit, Sympathie (Mitgefühl), Zuneigung, Liebe einerseits und Mißtrauen, Mißgunst, Eifersucht, Wut, Haß, Scham, Angst andererseits wurde bereits verwiesen.

Die Schnecke kann gewissermaßen als Symbol dieser Polarität gesehen werden. Die ausgestreckten Fühler nehmen die Realität wahr und an; die Umgebung wird in die eigene Realität soweit wie möglich einbezogen. Der Rückzug in das Schneckenhaus schließt die Umgebung als feindselig, unangenehm und ablehnend aus. Für Tiere und Menschen bedeutet dieser Zustand "Stress" mit der entsprechenden psycho-neuro-vegetativen Regulation.

Dies ist eine in bestimmten Situationen überlebensnotwendige Schutz-Reaktion; als Grundhaltung bzw. -Einstellung ist sie ungesund und kränkend. Leben existiert nur in Austausch. Damit konkretisiert sich der Zusammenhang von Realitätsanerkennung, Stimmung und Grundhaltung. Je offener, zugewandter die Grundhaltung, desto an-ge-nehmer und annehmender ist die Stimmung und die Realitätsanerkennung.

Die Einstellung oder Grundhaltung ist von uns bewußt beeinflußbar. Jeder entscheidet sowohl grundsätzlich, als auch von Fall zu Fall, ob er lieber die "Fühler ausstreckt" oder "sich in sein Schneckenhaus zurückzieht."
Aufgeschlossenes Fühlerausstrecken bedeutet mehr und intensivere Realitätswahrnehmung.

Damit verbunden ist Rücksichtnahme und Kooperation. Axelrod hat gezeigt, daß die Evolution den Kooperativeren - in der anthropomorphen Übertragung den primär Freundlichen - bevorzugt; er lebt länger. Dies gilt bereits auf der Ebene der Daten- bzw. Informationsverarbeitung.

Eine andere Facette der offeneren kooperativeren Grundhaltung ist die Fürsorglichkeit. Wir können sowohl aus unserer eigenen Anschauung bzw. eigenen Lebenserfahrung, als auch aus der Literatur, Tatsachen feststellen, die belegen, daß Fürsorge für den anderen den Fürsorglichen selbst gesund hält und die Lebenserwartung steigert.

Eine für jeden zu überprüfende Tatsache ist, daß Mütter mit (kleinen) Kindern kaum krank werden. Eine weitere Tatsache ist, daß Menschen, die für andere engagiert sind (Albert Schweizer, Ordensleute) ebenfalls wenig krank sind und bei ihrem entbehrungsreichen Leben ein hohes Alter erreichen. Schließlich werden Frauen, die in unserer Gesellschaft überwiegend eine mehr fürsorgliche Rolle einnehmen, älter als Männer.

In Deutschland beträgt der Unterschied in der Lebenserwartung plus 3 Jahre für die Frauen. In Russland, wo die Frauen noch mehr den täglichen Existenzkampf be-sorgen, während die Männer mehr im Alkoholkonsum ihr Wohlgefühl suchen, ist deren Lebenserwartung sogar um 10 Jahre geringer.

Im Juni 1998 ist schließlich die bedeutende Arbeit des amerikanischen Wissenschaftlers John Allman erschienen, der nachwies, daß bei Affen der Elternteil älter wird, der sich mehr um die Aufzucht der Jungen kümmert. Bei Schimpansen und Orangs ist das Weibchen, bei den Siamangs und anderen Halbaffenarten ist es das Männchen. Es gibt eine eindeutige positive Korrelation zwischen Dauer bzw. Intensität der Fürsorglichkeit und Lebenserwartung.

Diese Tatsachen lassen sich auch mit psycho-neuro-vegetativen Regulationen plausibel erklären. Da Fürsorglichkeit die annehmende Haltung ist, ist sie hormonell weniger durch die katecholaminassoziierte Stressregulation der Kampf-Abwehr-Flucht-Einstellung geprägt. Mehr "Einigkeit" in der Ziel- bzw. Kraftausrichtung vermeidet die Reibungsverluste der Ambivalenz. Solche Erklärungen sind sinnvoll und helfen diese Tatsachen in einem Gesamtzusammenhang zu verstehen. Doch auch ohne solche erklärenden Begründungen bleiben Tatsachen bestehen.

Zusammenfassend lassen sich also folgende Hypothesen über die Hierarchie gesundheitsrelevanter Bedingungen bzw. Werte formulieren. Am wichtigsten ist der Realitätssinn bzw. die ehrliche Wahrnehmung. Der Ehrliche ist der Gesunde.

In realistischer Anschauung sowohl der Evolution, als auch der aktuell beobachtbaren Informationsverarbeitungs- und Lebensprozesse, ist die Bevorzugung des Kooperativen, Solidarischen, Sozialen (Lit. A.M. Ernst) und Fürsorglichen erkennbar. Diese Bevorzugung drückt sich in größerer Gesundheit und längerer Lebenserwartung aus. Die Frage nach der Lebensqualität möge als Anregung weitergegeben sein.

Von Dr. Günter Eble

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